Deutsch-Polnische Gesellschaft zum Brexit: „Jetzt Europa von unten neu gestalten“

Greifswald. Die Deutsch-Polnische Gesellschaft (DPG) Vorpommern bedauert das Ergebnis des Referendums in Großbritannien. Anna Gatzke, Vorsitzende der DPG meint: „Europa muss jetzt von unten neugestaltet werden. Nach den Diskussionen im Vorfeld des Referendums kann es kein „weiter so“ geben. Wir alle sollten jetzt Verantwortung für die Vermittlung des europäischen Gedankens zeigen und die Politik muss die Bedingungen schaffen, die Menschen dabei zu unterstützen.“

Gerade jetzt kommt es darauf an, die Zivilgesellschaft einzubeziehen und die Vorteile eines vereinigten Europas zu erklären. Eines Europas, welches uns in der Grenzregion zu Polen in den letzten Jahren zahlreiche Möglichkeiten, gerade in der wirtschaftlichen Entwicklung Vorpommerns gebracht hat. Insbesondere die Belebung der Dörfer im Raum Löcknitz zeigt, welche Vorteile wir in der Region von einem vereinigten und friedlichen Europa genießen können.

„Jetzt kommt es darauf an, Europa nicht nur neu zu erklären, sondern auch mehr Menschen an den Vorteilen der europäischen Einigung teilhaben zu lassen“, so Gatzke. „Notwendig ist es jetzt, die Bedingungen für einen offensiven Ausbau der Nachbarsprache Polnisch in Vorpommern zu schaffen“, führt Gatzke weiter fort. Denn nur wenn die Menschen ihren Nachbarn auch verstehen, können sie an den Chancen einer sich entwickelnden Metropolregion Stettin, vor ihrer Haustür, teilhaben.

Für eine offene und moderne Grenzregion Westpommern-Mecklenburg-Vorpommern

DPG Vorpommern begrüßt Initiativen zur Metropolregion Stettin

Diedrichshagen. Auf ihrer Vorstandssitzung am 16. 09. 2014 diskutierten die Mitglieder des Vorstandes der DPG Vorpommern die von der SPD-Landtagsfraktion vorgeschlagene „Stettiner Erklärung“ sowie die Initiativen der Regierungen der Wojewodschaft Westpommern und des Landes Mecklenburg -Vorpommern zur Entwicklung einer grenzüberschreitenden Metropolregion Stettin.

Damit, so war sich der Vorstand einig, wurde von Schwerin ein deutliches Zeichen für die Weiterentwicklung der Grenzregion gesetzt. Neben Wirtschaft, Wissenschaft, Bildung und Verwaltung wurde auch für zivilgesellschaftliche Strukturen zur Unterstützung des Dialogs der Bürger plädiert. Im Rahmen der Präsentation der Wojewodschaft Westpommern in Mecklenburg-Vorpommern findet vor dem Festakt am 24. September 2014 im Theater Greifswald eine Expertenrunde zur Gestaltung der Metropolregion Stettin statt. Eine Wirtschaftspräsentation im Kruppkolleg am 25.09.2014 zur Zusammenarbeit in der Gesundheitswirtschaft und -tourismus schließt sich an.

In einem Brief des Vorstandes der Gesellschaft an den Ministerpräsidenten wird auf die Schaffung eines gleichberechtigten Bereichs der Bürger, der deutsch-polnischen Vereine, Initiativen und Partnerschaften bei der Ausgestaltung der Metropolregion Stettin hingewiesen. Für eine moderne Demokratie sei es notwendig, für die Zivilgesellschaft eine eigenständige Struktur in Form einer ständigen deutsch-polnischen Arbeitsgruppe einzurichten. Dafür gebe es in Stettin durch die Abteilungen für NGO Partner, die seit Jahren konkrete Unterstützung engagierter Bürger leisten.

Zur Beratung der Expertenrunde am 24. September 2014 wurden aktive Bürger der Grenzregion eingeladen, um ihre Vorschläge für die Ausgestaltung der Metropolregion Stettin einzubringen. Für die Realisierung der Forderungen steht neben anderen Aktiven auch der Vorstand der DPG Vorpommern mit seinen Erfahrungen zur Unterstützung bereit.

XI. Regionalkonferenz Pommern: „Pommern/Pomorze – eine europäische Region“ in Greifswald

Resümee nach 10 gemeinsamen Jahren in der EU

An der XI. Regionalkonferenz Pommern  am 23./24. Mai 2014 im Pommerschen Landesmuseum Greifswald beteiligten sich mehr als 60 polnische und deutsche Teilnehmer. Der Leiter der Friedrich-Ebert-Stiftung, Frederic Werner, eröffnete die Konferenz, Ulf Demski, stellvertretender OB der Hansestadt Greifswald begrüßte die Teilnehmer. 11 Referenten zogen Bilanz in Ihren Vorträgen über 10 Jahre EU-Partnerschaft in der Region Pommern und diskutierten mit den Teilnehmern Hemmnisse und Herausforderungen, um die Region weiter voranzubringen.

Die positive Entwicklung Polens seit dem EU-Beitritt 2004 wurde an Hand statistischer Zahlen von Pawel Bartnik, Direktor der Euroregion Pomerania in Szczecin, überzeugend dargestellt. Er berichtete von besseren Fördermöglichkeiten in der neuen Förderperiode, vor allem für kleinere Projekte. Er räumte ein, dass der Erlernung der Nachbarsprachen zu wenig Bedeutung und Unterstützung beigemessen wurde. Mehrere Teilnehmer wiesen auf das Defizit hin, dass Begegnungen ohne persönliche Kommunikation ein großes Hindernis für Kontakte und Zusammenarbeit darstellen.

„Polen ist mittlerweile drittwichtigster Handelspartner im Im- und Exporthandel Deutschlands in Europa“, so resümierte Prof. Helmut Klüter von der Universität Greifswald in seinem Vortrag und unterstrich die Notwendigkeit der wirtschaftlichen Zusammenarbeit in Pommern. Christiane Falck-Steffen, Leiterin des Amtes für Raumordnung und Landesplanung Vorpommern, stellte ein Konzept für die Grenzregion Pommern vor, das erfreulicherweise belegt, dass sich Politik und Verwaltung endlich einem Gesamtkonzept für die Grenzregion Pommern zuwenden.

Positive Beispiele der Zusammenarbeit und Verständigung wurden durch Martin Schröter (Projektleiter Transnationales Projekt Odermündung e. V.) und Katharina Husemann (Projektleiterin Schloss Bröllin) vorgestellt. Ihr Vorbild sollte als Anregung einer effizienten gemeinsamen deutsch-polnischen Annäherung auf allen Gebieten dienen. Journalisten aus der Grenzregion, Herr Bogdan Twardochleb (Redakteur „Kurier Szczecinski“)  und Herr Dr. Frank Wilhelm (Redakteur „Nordkurier“) nahmen als Medienvertreter zur unbefriedigenden grenzüberschreitenden Berichterstattung Stellung. Allerdings konnten auch sie keine spürbaren Verbesserungen ankündigen.

Noch heute bestehende Vorurteile und Stereotype, Klischeevorstellungen über die Nachbarn wurden von Dr. Wolfgang Brylla (Universität Zielena Gora) anhand von Umfrageergebnisse unter der „Facebook-Generation“ zum Bild der Deutschen in Polen vorgestellt und ausgewertet. Möglichkeiten zur  Überwindung solcher traditionellen Bilder wurden durch Niels Gatzke (RAA M-V) und Falko Reichardt (Direktor des Bonhoeffer Zentrums Szczecin) aufgezeigt. Abgerundet wurde das Thema durch eine psychologische Skizze von Frau Dr. hab. Brygida Helbig (Universität Stettin, Humboldt-Universität Berlin), die Anregungen für die Entwicklung des gegenseitigen Verständnisses im Umgang miteinander und somit für eine grenzüberschreitende Identität in der Region Pommern darlegte.

In Auswertung der Vorträge und Diskussionen wurden Schlussfolgerungen gezogen. Der daraus erarbeitete Forderungskatalog wird der Staatskanzlei von M-V, Abt. für internationale Zusammenarbeit, dem Europaausschuss des Landtages, dem Landkreis und dem Kreistag Vorpommern-Greifswald unterbreitet.

Forderungskatalog
an Verantwortliche der Politik und der Medien in M-V:

  1. Ausbau der Strukturen für grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Landkreis Vorpommern-Greifswald
    Sichtbarmachung, Anerkennung und Unterstützung von Initiativen der NGO, deren bürgerschaftliches Engagement für das Zusammenwachsen in der Grenzregion Pommern
  2. Systematische Berichterstattung, kontinuierlicher Informationsfluss über das Leben im Nachbarland durch Printmedien, Funk und Fernsehen des NDR
  3. Schaffung von Anreizen und Voraussetzungen für den Polnischunterricht in den Kitas und allen Schulen der Grenzregion
  4. Verbesserung des grenzüberschreitenden Verkehrs durch Wiederbelebung der Bahnverbindung Berlin-Świnoujście über Karnin
  5. Die Aufnahme von Vertretern polnischer und deutscher NGO in die Arbeitsgruppe des Landes M-V und der Wojewodschaft Westpommern

Progamm XI. Pommernkonferenz