Polen zwischen Rechtsstaat, Sicherheit und Europa

Gutshaus Ramin, 4. Juni 2026

Trotz des regnerischen Wetters fanden am Donnerstagabend zahlreiche Interessierte den Weg ins Gutshaus Ramin. Unter dem Titel „Polen zwischen Rechtsstaat, Sicherheit und Europa“ diskutierten zwei ausgewiesene Kenner der politischen und gesellschaftlichen Entwicklung Polens über die Herausforderungen des Nachbarlandes.

Zu Gast waren Kai-Olaf Lang, Senior Fellow der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin und Experte für Mittel- und Osteuropa sowie die deutsch-polnischen Beziehungen, und die Stettiner Literaturwissenschaftlerin, Autorin und Publizistin Inga Iwasiów. Sie zählt zu den prägenden intellektuellen Stimmen Polens und engagierte sich insbesondere während der Regierungszeit der Partei Prawo i Sprawiedliwość (PiS) für Frauenrechte, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit.

Im Gespräch analysierten beide Referenten die Lage Polens vor und nach dem Regierungswechsel von 2023.

Kai-Olaf Lang schilderte die Entwicklungen während der PiS-Regierung von 2015 bis 2023. In dieser Zeit gerieten Justiz und Verfassungsgericht zunehmend unter politischen Einfluss, während die öffentlichen Medien ihre Unabhängigkeit verloren. Die Europäische Union reagierte mit verschiedenen Verfahren und Sanktionen. Nach dem Regierungswechsel steht die neue Regierung unter Ministerpräsident Donald Tusk vor der schwierigen Aufgabe, rechtsstaatliche Strukturen wiederherzustellen. Die vorherige Regierung habe zahlreiche Institutionen politisiert und Mechanismen geschaffen, die eine Rückkehr zu unabhängigen Strukturen auf legalem Weg erschweren. Zugleich bleibe offen, wie dauerhaft der eingeschlagene Reformkurs sein werde und welche Folgen ein mögliches politisches Comeback der PiS hätte.

Einen anderen Blickwinkel brachte Inga Iwasiów ein. Aus der Perspektive der Frauenbewegung zeichnete sie die Entwicklung Polens seit dem politischen Umbruch von 1989 nach. Paradoxerweise hätten Frauen mit dem Übergang zur Demokratie wichtige Rechte verloren. Besonders das Abtreibungsrecht sei in den vergangenen Jahrzehnten erheblich eingeschränkt worden. Bis heute litten viele Frauen unter den Folgen dieser Gesetzgebung. Iwasiów erinnerte an die Proteste der Frauenbewegung, insbesondere an die Massenmobilisierung der vergangenen Jahre. Viele Frauen seien auf die Straße gegangen und hätten damit entscheidend zum politischen Wandel beigetragen. Heute sei jedoch vielfach Enttäuschung spürbar, da sich ihre Situation unter der demokratischen Regierung bislang kaum verbessert habe. Die daraus resultierende Resignation werfe die Frage auf, ob Frauen auch künftig bereit sein werden, sich politisch zu engagieren und die Demokratie gegen den wachsenden Einfluss rechter Kräfte zu verteidigen.

Im Anschluss nutzte das Publikum die Gelegenheit zu zahlreichen Fragen. Dabei ging es auch um die aktuellen Grenzkontrollen zwischen Deutschland und Polen sowie deren Auswirkungen auf die Beziehungen beider Länder.

Nach der Diskussion klang der Abend in geselliger Atmosphäre aus. Bei Rote-Bete-Suppe, Brot mit Schmalz und selbst eingelegten Gurken wurden die Gespräche fortgesetzt. Viele Gäste nutzten die Gelegenheit zum persönlichen Austausch mit den Referenten und untereinander. So wurde die Veranstaltung nicht nur zu einem informativen, sondern auch zu einem verbindenden Abend des deutsch-polnischen Dialogs.

Euroregion Pomerania ehrt herausragendes Engagement für deutsch-polnische Verständigung

Im Rahmen der Jubiläumsveranstaltung der Euroregion Pomerania im Löwenschen Saal des Stralsunder Rathauses wurde Dr. Marek Fiałek, Vorsitzender der DPG in MV, mit dem Pomerania-Preis 2025 ausgezeichnet.

Die Ehrung würdigt sein langjähriges und außergewöhnliches Engagement für den kulturellen Austausch, die Bildungszusammenarbeit und die deutsch-polnischen Beziehungen. Dr. Fiałek prägt seit vielen Jahren die deutsch-polnische Kultur- und Bildungslandschaft maßgeblich. Nach akademischen Stationen in Hannover und Berlin lehrt er seit 2003 Polnisch an deutschen Hochschulen und verbindet Sprachvermittlung mit kulturellem Dialog und gelebter Nachbarschaft. Besondere Anerkennung findet sein Wirken als Initiator und Mitgestalter zahlreicher deutsch-polnischer Projekte. Hervorzuheben ist das Kulturfestival polenmARkT, das heute zu den größten Plattformen polnischer Kultur außerhalb Polens zählt. Durch enge Kooperationen mit kulturellen Institutionen in Szczecin, Grodno und mit zahlreichen Künstler*innen erhielt das Festival eine starke grenzüberschreitende Ausstrahlung.

Darüber hinaus engagiert sich Dr. Fiałek als Jurymitglied des Szczecin Film Festivals, als Vorsitzender der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Mecklenburg-Vorpommern sowie als Wiederbeleber der Pommernkonferenz. In der Laudatio wurde er als „Brückenbauer mit unerschütterlicher Geduld“ gewürdigt – als jemand, der Begegnungen ermöglicht, Ideen verwirklicht und Menschen verbindet.

Der Pomerania-Preis 2025 ehrt damit nicht nur eine einzelne Persönlichkeit, sondern auch ihre Vision eines offenen, dialogorientierten und im Alltag gelebten Europas.

Ein stimmungsvoller Tag im Zeichen der deutsch-polnischen Freundschaft

Unsere diesjährige deutsch-polnische Weihnachtsfeier fand erneut im malerischen Ostseebad Prerow statt und bot einen wunderbaren Rahmen, um die gewachsene Partnerschaft zwischen unseren Ländern zu feiern und weiter zu stärken. Rund 40 Mitglieder und Freund*innen der DPG MV kamen zusammen, um einen abwechslungsreichen und warmherzigen Adventstag miteinander zu verbringen. Der winterliche Nachmittag begann um 14 Uhr mit einer traditionellen Kaffeetafel. In gemütlicher Atmosphäre genossen die Gäste süße Leckereien und kamen miteinander ins Gespräch. Für besondere Freude sorgte der Besuch des Weihnachtsmanns bzw. der Weihnachtsfrau, der oder die kleine wie große Gäste mit Geschenken überraschte. Wer kein Lied oder Gedicht vortragen konnte, wurde mit einem sportlichen Beitrag Teil des Programms – sehr zur Unterhaltung aller Anwesenden. Nach dem Kaffeetrinken führte ein erholsamer Spaziergang zur Seemannskirche in Prerow. Dort erwartete die Gruppe um 17 Uhr ein stimmungsvolles Luciafest. Die feierliche Prozession – der traditionelle Luciatåg – mit weiß gekleideten Sängerinnen und Sängern, angeführt von einer Lucia mit Kerzenkranz, erfüllte die Kirche mit glockenhellem Gesang und warmem Kerzenschein. Diese eindrucksvolle schwedische Adventstradition, die an die Heilige Lucia von Syrakus erinnert, berührte viele Teilnehmende und schuf einen besinnlichen Moment im Vorweihnachtstrubel. Gegen 20 Uhr begann das gemeinsame Weihnachtsessen im Waldschlösschen, das in diesem Jahr durch ausgewählte polnische Speisen bereichert wurde. Serviert wurden unter anderem: Kroketten mit Sauerkraut und Pilzen, Barszcz  z uszkami (Rote-Bete-Suppe mit kleinen Teigtaschen), Pierogi ruskie Rollmops, Matjes, gebratener Fisch, Fisch in Sülze, traditioneller Gemüsesalat und Kompott. Die gemeinsame Mahlzeit bot einen ausgezeichneten Anlass, sich über kulturelle Traditionen auszutauschen, neue Kontakte zu knüpfen und Ideen für zukünftige Projekte zu entwickeln. Gegen 21 Uhr begann das Konzert des polnischen Musikers Hubert Szczęsny, der bereits im Vorjahr in Schwerin große Begeisterung auslöste. Mit seiner unverwechselbaren Stimme, seiner Gitarre und seinem facettenreichen Stil zwischen World Music, Blues und Folk schuf er erneut eine besondere Atmosphäre. Hubert präsentierte viele Lieder auf Polnisch, was beim Publikum auf große Resonanz stieß. Besonders schön war die spontane Beteiligung der Kinder, die sich zu ihm setzten, mitsangen und mitspielten. Einige Gäste wünschten sich enthusiastisch polnisch-ukrainische Klassiker wie „Hej sokoły“, doch der Abend blieb dank des Programms und der ruhigen Reaktionen der meisten Teilnehmenden weiterhin harmonisch und stimmungsvoll. Nach dem Konzert blieb noch Zeit für anregende Gespräche, den Austausch über die Eindrücke des Tages und neue Pläne für die kommenden Monate. Die Atmosphäre war herzlich und vertraut – ein gelungener Abschluss eines rundum erfüllten deutsch-polnischen Begegnungstages. Die Weihnachtsfeier in Prerow war ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie kultureller Austausch und persönliches Miteinander Brücken schlagen können.